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AV-views.de Extra Digitale Trapezentzerrung

Extra 2005/1

Digitale Trapezentzerrung


Trapezverzerrungen, auch als Keystone-Effekt bekannt, entstehen immer dann, wenn die optische Achse eines Projektors nicht rechtwinklig auf die Bildwand trifft. Teure Projektoren können diese Verzerrungen durch Verschieben des Objektivs (Lens-Shift) korrigieren. Wenn das nicht ausreicht oder diese Möglichkeit nicht besteht, kommt die digitale Entzerrung zum Einsatz. Die Technik dazu ist mittlerweile weit ausgereift, doch immer muss mit gewissen Verschlechterungen der Darstellung gerechnet werden.

Viele Hersteller werben heute mit der digitalen Keystonekorrektur ihrer Projektoren. Was verbirgt sich dahinter? Bekanntlich bewirkt das Schrägstellen des Projektors bei senkrechter Bildwand eine trapezförmige Bildverzerrung. Das Bild ist an der oberen Kante mehr oder weniger deutlich größer, als an der unteren. Aber das ist nur der eine Effekt. Der zweite ist, dass sich das Seitenverhältnis der Projektion zugleich ändert: Das Bild wird in der Höhe gestreckt. Da übrigens der Zuschauer normalerweise so sitzt, dass er ebenfalls zur Projektion hochblicken muss, reduziert sich theoretisch der Effekt. Praktisch ist es aber so, dass unsere Sehgewohnheiten perspektivische Verzerrungen erwarten. Die Projektion sollte daher rechtwinklig auf der Bildwand erscheinen. Heutige Projektoren brauchen bereits zum Skalieren, z.B. zur Darstellung eine SXGA-Signals mit einem XGA-Chip einen guten Grafikprozessor. Da lag es nahe, diese Fähigkeit zur Bildbearbeitung auch zum Ausgleichen des Trapezfehlers zu nutzen. Das Bild wird einfach so berechnet, dass es bei der Projektion an der oberen Kante genau so breit ist, wie an der unteren. Daraus ergeben sich jedoch einige Nachteile. Zum einen wird im oberen Bildbereich die Auflösung reduziert. Standen für die Bildbreite ursprünglich z.B. 1024 Pixel zur Verfügung, so sind es nach der Entzerrung vielleicht nur noch 800. Entsprechend können hier feine Details verloren gehen. Eine Tabelle mit klein geschriebenen Zahlen wird möglicherweise unleserlich. Hinzu kommt, dass auch das Objektiv besonders bei kurzen Projektionsentfernungen nicht in der Lage ist, bei einer schrägen Projektion überall scharf darzustellen. Der obere Bildrand ist schnell einen Meter weiter entfernt, als der untere. Der zweite Fehler ist, dass auch die Lichtleistung nicht mehr die ursprüngliche ist und sie sich zugleich auch noch ungleichmäßig über die Fläche verteilt. Im unteren, nicht skalierten Bildbereich steht sie voll zur Verfügung, oben nur noch z.B. zu zwei Dritteln. Das dritte Problem: Das Seitenverhältnis der Projektion stimmt nicht mehr. Eigentlich müsste nämlich auch die Bildhöhe reduziert werden, damit das Verhältnis von Breite zu Höhe (z.B. 4:3) erhalten bleibt. Dies wird häufig nicht beachtet, so dass man am Ende zwar eine Projektion mit rechten Winkeln sieht, das aber nahezu quadratisch ist. Manche Projektoren bieten heute allerdings die Möglichkeit, auch das Seitenverhältnis korrekt zu korrigieren. Damit sinken allerdings die nutzbare Lichtleistung sowie die Auflösung nochmals merkbar. Fazit: Die digitale Trapezentzerrung sollte nur ausnahmsweise eingesetzt werden, wenn man die Nachteile in Kauf nehmen kann. In den meisten Fällen wird eine leichte Trapezverzerrung die Wirkung einer guten Präsentation nicht schmälern.

Max Printzen


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