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Test: Optoma W515T

Optoma: W515T

Als das taiwanesische Unternehmen Optoma 2002 seine Aktivitäten begann, legte es im Bereich der Projektoren seinen Schwerpunkt darauf, Geräte auf DLP-Basis für den Heimkinosektor zu entwickeln und zu vermarkten. Der Bereich der Präsentationstechnik war zunächst nicht so im Fokus des Unternehmens. Seit einigen Jahren aber wandelt sich hier die Firmenstrategie. Geräte für den professionellen Einsatz wurden immer wichtiger und mittlerweile bietet man ein breites Spektrum auch bis in in Lichtleistungen über 5000 Lumen.
Wir haben uns heute ein Gerät aus diesem Segment ins Haus kommen lassen. Der W515T ist ein mit seiner Auflösung von 1280 x 800 Bildpunkten bei angegebenen 6000 Lumen ein Gerät, das große Projektionen bei Tageslicht ermöglicht. Aber noch weitere Features zeichnen diesen Projektor aus, wie wir beim genaueren Untersuchen des Gerätes feststellen konnten.
Äußerlich ist zunächst auffallend, dass der W515T mit einem Gewicht von etwa sechs Kilo zwar nicht wirklich schwer aber doch gewichtiger ist, als ein einfacher Businessprojektor, der möglicherweise eine ähnliche Lichtleistung erreicht. Das große Zoom-Objektiv wird manuell bedient und arbeitet mit guter Präzision. Über den gesamten Zoombereich muss die Schärfe nur geringfügig nachjustiert werden. An der Geräteoberseite ist ein Stellrad für den vertikalen Lensshift gut zu bedienen. Die Bildlage läst sich mit seiner Hilfe allerdings nur um ungefähr ¼ der Bildhöhe verschieben. Ein Stellrad an der linken Geräteseite dient dem horizontalen Versatz der Bildlage um etwa ¼ der Bildbreite. So wird man in vielen Fällen eine exakte Ausrichtung der Bildposition erzielen können, ohne dass man den Projektor schräg stellen müsste. Ist dies aber dennoch erforderlich, so lässt sich die resultierende Bildverzerrung elektronisch korrigieren. Dazu bietet der Projektor nicht nur eine horizontale und eine vertikale Keystone-Korrektur, sonder über die ?Vier-Ecken-Korrektur? ist auch eine Anpassung an gebogene Flächen möglich.

Projektoren, die im professionellen Segment flexibel eingesetzt werden sollen, müssen möglichst mit jedem üblich Bildsignal und jeder Übertragungsnorm klar kommen, damit man nicht vor Ort eine böse Überraschung erlebt. Ein Blick auf die Rückseite des W515T sollte den Fachmann beruhigen: Hier wurde an alles gedacht, was heutzutage üblich ist. Das Videosignal aus der ?Steinzeit? der Fernsehtechnik (FBAS) ist notfalls nutzbar, für das analoge Computersignal (VGA) gibt es zwei Sub-D Buchsen als Eingänge ? einer davon auch für ein Komponentensignal ? sowie eine Buchse als Ausgang zum Durchschleifen des Bildsignals. Eine S-Video Buchse rundet das Sortiment an ?alten? Normen ab. An digitalen Eingängen werden 2 x HDMI geboten, wovon der eine auch MHL kann. Der ?Mobile High-Definition Link? bietet die Möglichkeit, über einen entsprechenden Adapter drahtlos Bilder von mobilen Geräten zum Projektor zu schicken. Auch Signale, die über einen Displayport übermittelt werden, kann der W515T entgegen nehmen. Schließlich gibt es noch zwei RJ45 Buchsen, von denen die eine zur Anbindung des Projektor an ein lokales Netzwerk vorgesehen ist, die andere ein unkomprimiertes Bildsignal über Ethernet LAN-Kabel (geschirmtes Kategorie 6 Kabel) aus bis zu 100 Metern Entfernung empfangen kann. Für Normen, die kein Audiosignal mitführen, stehen auch separate Audio-Ein-/ Ausgänge zur Verfügung. Auch an der Rückseite des Projektors befinden sich übrigens die Tasten des Bedienfeldes.
Wir schalten das Gerät ein und haben bereits nach 8 Sekunden eine schwache Ahnung vom Bild, das dann nach etwa 80 Sekunden in voller Helligkeit zu sehen ist. Dann läuft auch der Lüfter zur Höchstleistung auf, was mit entsprechenden Betriebsgeräuschen verbunden ist. Bei einem Gerät dieser Klasse kann man aber wohl davon ausgehen, dass es sich nicht in unmittelbarer Nähe zu den Zuschauer befindet und sich die Belästigung so in Grenzen hält. Wenn das Umgebungslicht es zulässt, kann man den Projektor in den Eco-Modus umschalten, was Strom- und Lampenkosten aber auch die Geräuschbelästigung reduziert. Die aufgenommene elektrische Leistung sank bei unserem Gerät im ECO-Modus von 420 auf 340 Watt, die Lichtleistung sank auf unter 3000 Lumen.
Wir haben zunächst die Einstellung ?Präsentation? bei voller Lampenleistung gewählt, worin das Gerät eine durchaus akzeptable Farbqualität bietet. Alle Farben sind auch in den Pastelltönen gut voneinander zu unterscheiden. Strahlend sauber sind sie, wie bei der 1-Chip DLP-Technologie üblich, allerdings nicht. Richtig schön wird es, wenn man in die Einstellung ?Film? oder ?sRGB? wechselt. Nun leuchten auch Rot und Gelb, wie man sich das wünscht. Allerdings sinkt dabei die Lichtleistung erheblich. Wir konnten nur noch deutlich unter 2000 Lumen feststellen! Für Profis, an die sich dieses Gerät wendet, dürfte das allerdings keine Überraschung sein.
Jetzt aber wollen wir wissen, ob unser Testkandidat auch die angegebene Lichtleistung erreicht. Dazu schalten wir den Anzeigemodus auf ?Hell? und vergewissern uns, dass auch der Lampenmodus auf ?Power? steht. Zudem kann man bei diesem Projektor auch die aufgenommene elektrische Leistung der Lampe stufenweise reduzieren. Wir wählen hier 365 Watt aus, was die Maximaleinstellung ist. Wie bekannt und erwartet wird nun die Farbdarstellung sichtbar schlechter. Ein deutlicher Grünstich ist zumindest im direkten Vergleich zu sehen und alle Farben, besonders erkennbar bei Rot und Gelb, werden ?schmutzig?. Man kann bekanntlich nicht unbemerkt ?Weiß? (aus dem klaren Segment des Farbrades) zu einer Farbe mischen, ohne dass das auffällt. Der Grünstich hingegen rührt nur indirekt vom klaren Farbradsegment. Er resultiert vielmehr aus der Tatsache, dass die üblichen Leuchtmittel ?von Natur aus? ein grünstichiges Licht erzeugen, das dann entsprechend gefiltert werden muss. Für die maximale Lichtleistung entfällt dann diese Filterung. Auf unserem Messplatz konnte unser Testkandidat leider nicht vollständig überzeugen. Mit gemessenen 5166 Lumen verfehlte das Gerät die Zielmarke von 6000 Lumen um -14% und lag damit leicht außerhalb der +/- 10 % Toleranz. Auch die Gleichmäßigkeit der Lichtverteilung bietet mir 75% keinen Anlass zu lautem Jubel. Konzentrieren wir uns also lieber noch einmal auf die besonderen Stärken dieses Gerätes. Hierzu sind auch die guten Funktionen zur Verbesserung und Erweiterung der Bilddarstellung zu nennen. High Contrast etwa lässt Bilder mit starkem Hell-/Dunkelkontrast wesentlich lebendiger aussehen aber hilft auch, textbasierte Bilder wie in geschäftlichen Präsentationen schärfer erscheinen zu lassen. Auch, wer 3D-Inhalte etwa vom Blue-ray Player oder direkt aus dem Rechner präsentieren möchte, wird mit diesem Projektor ohne zusätzliche Technik ? sieht man von den entsprechenden Brillen ab ? zum Erfolg kommen. Das Gerät unterstützt eine Bildwiederholrate von 144 Hz, was flimmerfreien 3D-Genuss ermöglicht.
Kaum erwähnt werden muss wohl, dass der Projektor dank seiner Netzwerkfunktionalität sowohl über das freie PJLink Protokoll überwacht und gesteuert werden kann, als dass er auch mit Crestron- und AMX-Technik kompatibel ist.

Die komplette Bedienung kann natürlich auch über die mitgelieferte IR-Fernbedienung erfolgen. Sie ist mäßig groß und bietet eine Vielzahl unmittelbar zugänglicher Funktionen. Neben der direkten Auswahl der Eingangsquelle ist auch ein Testmuster aufrufbar. Das ist dann hilfreich, wenn bei der Projektion auf gewölbte Flächen eine komplexe Korrektur der Bildgeometrie erforderlich ist. Die Fernbedienung lässt sich auch per Kabel mit dem Projektor verbinden, was z.B. für eine Rückprojektion unabdingbar ist. Ebenfalls ist die Auswahl einer Geräte-ID möglich oder eine Gruppe von Geräten kann gemeinsam bedient werden. Als Präsentationshilfe ist ein Laserpointer integriert. Eine kleine Anmerkung: Auf der Fernbedienung vermisst man den Firmennamen des Herstellers. Da in der Praxis nicht selten mehrere IR-Fernbedienungen für verschiedene Geräte zum Einsatz kommen, ist es sicherlich nützlich, wenn etwa die Beschriftung ?Optoma? auf die Zugehörigkeit zum Projektor hinweisen würde.


Den vollständigen Test mit allen Daten und technischen Angaben finden Sie in der AV-views 2016/02


POSITIV
NEGATIV
  • h- + v-Lensshift
  • Anschlussvielfalt
  • gute Farbqualität möglich
  • Lichtleistung nicht erreicht

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