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Test: Canon WUX6010

Canon: WUX6010

Der neuste Projektor der XEED-Serie von Canon ist der Beweis dafĂŒr, dass die LCoS-Technologie, die dieser Hersteller weiterhin hoch hĂ€lt, auch noch ihre Existenzberechtigung hat und eine BildqualitĂ€t zu liefern im Stande ist, die so mit anderen Technologien nicht erreicht wird. LCoS ist nun wahrlich nichts Neues, wird aber in der Fertigung nur von ganz wenigen Herstellern beherrscht. Auch dadurch, dass die Fertigung der bildgebenden Chips deutlich aufwĂ€ndiger und damit teurer ist, als etwa die Herstellung der Elemente fĂŒr normale LCD-Projektoren, ist diese Technologie nicht so verbreitet und wird schnell unterschlagen, wenn ĂŒber moderne digitale Projektionstechnik die Rede ist.
Eine kurze ErklĂ€rung der Grundlagen ist fĂŒr die richtige EinschĂ€tzung unseres Testkandidaten hilfreich. „Normale“ LCD-Projektoren arbeiten im Prinzip wie ein alter Dia-Projektor. An Stelle des Dias befindet sich im GerĂ€t allerdings ein FlĂŒssigkristall zwischen zwei dĂŒnnen Glasplatten. Genauer gesagt braucht man natĂŒrlich drei FlĂŒssigkristallelemente, die je einen Farbauszug des Bildes in den Grundfarben Rot, GrĂŒn und Blau darstellen mĂŒssen. Die FarbauszĂŒge werden dann exakt zur Deckung gebracht projiziert. Das FlĂŒssigkristallelement selbst hat keine Pixeleinteilung, die entsteht erst durch ein Feld regelmĂ€ĂŸig auf dem Glas angebrachter Elektroden, die aus einer lichtdurchlĂ€ssigen Metallbedampfung bestehen. So weit ist noch alles unproblematisch. Leider braucht jedes Pixel ein wenig Elektronik, die sogar vor Licht geschĂŒtzt sein muss. So erhĂ€lt jedes Pixel einen kleinen blinden Fleck. Je mehr und je kleinere Pixel ein solcher LCD-Chip hat, um so mehr Verluste entstehen. Eine Lösung dieses Problems stellt die LCoS-Technologie dar. Bei ihr hat das FlĂŒssigkristallelement nur noch eine durchsichtige Scheibe, die zweite Seite ist hochwertig verspiegelt. Das Licht fĂ€llt nun von der gleichen Seite auf das LC-Element, von der es moduliert – also mit der Bildinformation versehen – wieder austritt. Auf der RĂŒckseite hinter dem Spiegel ist nun mehr als genug Platz fĂŒr die Ansteuerelektronik. Der Erfolg ist nicht nur eine optimierte Lichtnutzung sondern auch zugleich ein besonders homogener Bildeindruck, bei dem keine scharfen Pixelstrukturen mehr erkennbar sind. Diese Technologie wird derzeit nur von Canon, von Sony und von JVC beherrscht.

Mit dem XEED WUX6010 hat Canon Anfang des Jahres einen neuen Installationsprojektor auf LCoS-Basis auf den Markt gebracht, der der dank seiner professionellen Ausstattung sehr gut fĂŒr den flexiblen Einsatz sowohl in Schulungseinrichtungen und Unternehmen als auch auf Messen und in Ausstellungen geeignet ist. Der Projektor bietet eine Auflösung von 1920 x 1200 Bildpunkten und ist mit einer Lichtleistung von 6000 Lumen angegeben. Bevor wir mit unseren Tests beginnen können, mĂŒssen wir aber erst einmal das Projektionsobjektiv einbauen. Geliefert wurde uns das Zoomobjektiv RS-IL01ST. Dies hat eine variable Brennweite zwischen 23,0 und 34,5 mm bei einer Blende F zwischen 1,89 und 2,65. Insgesamt werden fĂŒnf verschiedene Objektive mit Festbrennweiten und verschiedenen Zoombrennweiten angeboten. Die kĂŒrzeste Brennweite ist dabei 12,8 mm (fest), die lĂ€ngste variiert zwischen 53,6 und 105,6 mm.
Der Einbau des Objektivs ist allerdings etwas aufwĂ€ndiger, da Canon keinen Schnellwechsel vorgesehen hat. So sollte man einen Schraubendreher zur Hand nehmen und sich genau an die Anleitung halten: ZunĂ€chst Schraube an der rĂŒckseitigen Klappe vor dem Lampeneinsatz lösen und Klappe öffnen. Damit wird die Schraube fĂŒr den Deckel frei, diese lösen, Deckel abnehmen, hintere Klappe wieder provisorisch verschließen usw. Ich will hier nicht den gesamten Vorgang schildern aber ich denke, es wird deutlich, dass man sich hier nicht um eine einfache Lösung bemĂŒht hat. Canon scheint davon auszugehen, dass der Projektor nur einmal in seinem Leben sein Objektiv bekommt und nicht in verschiedenen Umgebungen eingesetzt wird, die immer ein anderes Objektiv fordern. FĂŒr den Einsatz bei Veranstaltungen oder auf Messen erscheint uns diese Lösung nicht optimal.
Hat man alles wieder zusammengesetzt, wird man an dem seitlichen Anschlussfeld sicherlich einen geeigneten Zugang fĂŒr das vorgesehene Bildsignal finden. Der Projektor bietet fĂŒr das alte analoge Computersignal gleich zwei geeignete Buchsen. Man kann wĂ€hlen zwischen dem VGA oder dem DVI-I Anschluss. Über letzteren lĂ€sst sich dann auch ein Digitales Bildsignal anschließen, ebenso wie ĂŒber die HDMI-Buchse. Eine hervorragende Möglichkeit, unkomprimierte Bilddaten ĂŒber eine Entfernung von hundert Meter zu ĂŒbertragen besteht durch den integrierten HDBaseT Anschluss. Als Leitung reicht hier ein normales CAT5 Kabel, das preisgĂŒnstig ĂŒberall erhĂ€ltlich ist. Steuerung und Kontrolle des Projektors kann ĂŒber die alte RS232 erfolgen, praktische und wesentlich vielseitiger ist natĂŒrlich die Nutzung des lokalen Computernetzwerks. Eine RJ45 Buchse bietet hier den Zugang.

Wir schalten unser TestgerĂ€t ein und haben schon nach vierzig Sekunden ein Bild in voller Helligkeit und bester FarbqualitĂ€t. ZunĂ€chst aber mĂŒssen wir noch die BildgrĂ¶ĂŸe passend zoomen und den Fokus einstellen. All dies lĂ€sst sich sehr feinfĂŒhlig mittels Fernbedienung bewerkstelligen. Die Servomotoren arbeiten prĂ€zise und auch kleinschrittige Änderungen sind problemlos möglich. Der horizontale wie der vertikale Lens-Shift sind ebenfalls motorbetrieben. Hervorragend ist insbesondere der sehr große vertikale Schiftbereich: Das Bild lĂ€sst sich fast um Ÿ seiner Höhe verschieben. Horizontal sind +/- 10 % Versatz möglich.
Die IR-Fernbedienung ist recht einfach ausgefallen. Eine gezielte Auswahl einer Eingangsquelle ist nicht mit einem Tastendruck möglich. Hier hĂ€tte man nach unserer Meinung eher auf die Tasten fĂŒr einen digitalen Zoom verzichten können, die vermutlich kaum jemand braucht. Wenigsten der Lampensparmodus ist direkt erreichbar.

Die Bildeinstellung ist zunĂ€chst „Standard“ und erfreut uns bereits mit einem sehr ausgeglichenen Farbspektrum, bei dem auch die gesĂ€ttigten Farben herrlich strahlen und die Abstufungen zu den Pastelltönen wunderbar gleichmĂ€ĂŸige Abstufungen bieten. Wechselt man dann zu „Foto/sRGB“ so Ă€ndern sich die Farben leicht, man kann aber nicht von „besser“ oder „schlechter“ sprechen. Eher hĂ€ngt es vom dargestellten Bild ab, welche Grundeinstellung die bessere Wirkung erzielt. Selbst der Wechsel zur bezĂŒglich der Lichtleistung höchsten Einstellung „PrĂ€sentation“ fĂŒhrt nicht feststellbar zu schlechteren Farben. Wir sind schon etwas traurig, dass wir zum Messen nun auf ein weißes Bild umschalten mĂŒssen und stellen nun normgerecht die BeleuchtungsstĂ€rke an den neun Meßpunkten fest und errechnen daraus schließlich eine Lichtleistung von 5292 Lumen, womit der Sollwert von 6000 Lumen knapp um 12 % verfehlt wurde. Die GleichmĂ€ĂŸigkeit der Lichtverteilung ist mit 90% hervorragend. Auch sollte hier erwĂ€hnt werden, dass die Lichtleistung in der Einstellung sRGB immerhin noch fast 5000 Lumen betrĂ€gt, die Lichtverluste bei noch besserer FarbqualitĂ€t also sehr gering ausfallen.


Den vollständigen Test mit allen Daten und technischen Angaben finden Sie in der AV-views 2016/02


POSITIV
NEGATIV
  • hervorragende Farbqualität
  • großer elektr. Lensshift
  • •Wechselobj. erhältlich
  • Objektivwechsel umständlich

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