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AV-views.de AV-views 2014/4 OpenSlides 1.6



Freies Software Tool für Versammlungen


OpenSlides 1.6




Ob nun für Mitgliederversammlungen von Vereinen oder Parteien, ob für Kongresse, größere Arbeitsgruppen oder für Tagungen: immer ist auch eine gute organisatorische Vorbereitung wichtig. Nicht immer kann und soll bereits im Vorfeld jeder Tagesordnungspunkt im Vorfeld festgelegt werden. Je interaktiver eine solche Versammlung abläuft, umso größer ist der organisatorische Aufwand, Strukturen und Abläufe zu sichern, publik zu machen und zu protokollieren. Hier hilft ein Software-Tool wie OpenSlides, das in seiner kürzlich veröffentlichten Version 1.6 wieder einige Neuerungen und Verbesserungen bereit hält.

OpenSlides ist, wie der Name andeutet, eine freie Software, die unter der GNU-Lizens für jeden auch professionell kostenlos nutzbar ist. Der zweite Teil des Namens beschreibt allerdings nur einen kleinen Teil dessen, was die Software zu leisten in der Lage ist. „Slides“ deutet auf „Folien“ oder „Dias“ hin, die ja längst nicht mehr bei Vorträgen und Versammlungen zum Einsatz kommen. Aber OpenSlides ist auch keineswegs ein Präsentationsprogramm wie etwa „Impress“ oder „PowerPoint“, sondern vielmehr ein webbasiertes Präsentations- und Versammlungssystem, das alle organisatorischen Belange beispielsweise einer Mitgliederversammlung unterstützt.

 

Serverbasiert

In der Tat handelt es sich bei OpenSlides um eine serverbasierte Anwendung. Wie auch bei einem „normalen“ Webserver wird im Versammlungsraum ein Computer die Funktion eines Netzwerkservers übernehmen. Dieser reagiert auf Anfragen beliebiger berechtigter Rechner im Netz und schickt die entsprechenden Antworten dort hin. Im Prinzip ist das nichts anderes, als es beständig im Internet passiert: Computer (Clients) rufen Inhalte vom Server ab und bekommen diese zugesendet. Auch im Internet können die Server unterscheiden, wer zum Beispiel welche Berechtigung hat und gezielt für einen Nutzer oder eine Gruppe von Nutzern Inhalte zur Verfügung stellen. Wie der Server auf eine Anfrage antwortet, das hängt von seiner Programmierung ab. OpenSlides integriert für den Nutzer unbemerkt beide Elemente. Es installiert einen „Webserver“ und stellt darauf alle Elemente wie Datenbanken aber auch Grafiken und natürlich den Programmiercode zur Verfügung, der für die Funktionalität sorgt.

Installation

Was im vorangegangenen Absatz kompliziert klingt, ist aber für die Nutzer überhaupt kein Problem, da sie sich nicht um die technischen Anforderungen kümmern müssen. Wer OpenSlides nutzen möchte, lädt sich einfach nur das Programm von der Website www.openslides.org herunter. Dort bekommt man eine gepackte Sammlung der notwendigen Elemente, die man an geeigneter Stelle auf dem als Server agierenden Rechner entpacken muss. Die Installation sollte auf jedem aktuellen Betriebssystem funktionieren, auf dem auch Python, die Basis für die Serverfunktion und die Programmierung, läuft. Sehr praktisch ist für das Windows-Betriebssystem (ab XP) die portable Version von OpenSlides, wie sie bereits seit Version 1.4 zur Verfügung steht. Dabei installiert sich alles, was gebraucht wird, automatisch, wie etwa der integrierte Tornado Webserver, der auf die lokale IP-Adresse an Port 80 hört. Stehen keine Administratorrechte zur Verfügung, so wird Port 8000 genutzt. So ist der Server dann alle im lokalen Netzwerk erreichbar.

Da es sich um ein Webbasiertes System handelt, ist auf den Clients, den Computern, Tablets oder Smartphones der Nutzer, keinerlei zusätzliche Installation nötig. Diese Geräte müssen nur einen Standardbrowser nutzen können – das ist wohl immer der Fall – und sie müssen Zugang zu dem Segment des lokalen Netzes haben, in dem der Server arbeitet.

Start

Ein Klick auf openslides.exe unter Windows bei Nutzung der portablen Version initialisiert sofort die Installation und den Start des Servers. Wie oben erwähnt, erfolgt die Einrichtung des Systems nur auf einem einzigen Computer (=Server) für die gesamte Veranstaltung. Übernimmt man die Stadard-Vorgaben, so startet schon nach einigen Sekunden der Browser auf dem Server-Rechner und es lassen sich hier alle nötigen Einstellungen eintragen. Man kann sowohl Einfluss auf das äußere Erscheinungsbild in Form von Logo, Farben, Begrüßungstexten etc. nehmen, als auch Inhaltliches wie etwa die Agenda vorgeben. Hier werden dann auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingetragen und es werden ihnen entsprechende Funktionen und Rechte zugewiesen. Als „Masseneingabe“ und Schnittstelle zu anderen Datenbanken steht hier das allgemein übliche CSV-System zur Verfügung.

 

Für wen?

OpenSlides ist sowohl für das Managen kleiner Veranstaltungen geeignet, wenn es reicht, die gesamte Organisation ohne Beteiligung des Plenums von einem Rechner aus zu erledigen, als auch für beispielsweise große Parteitage, wenn den Teilnehmern unterschiedliche Rechte und Möglichkeiten eingeräumt werden sollen. Ursprünglich war das Programm nur für die Durchführung einer Veranstaltung gedacht. Wichtige Informationen wie etwa die Tagesordnung und die Rednerliste sollen jederzeit aktualisierbar sein und per Projektor oder über einen großen Flachbildschirm dem Plenum zur Verfügung stehen. Als Rückkanal dienen beliebige mit einem Webbrowser ausgestattete Geräte der teilnehmenden Personen, die darüber auch Anträge stellen und an Abstimmungen teilnehmen können. Aber das schöne an offener Software ist ja auch der relativ kurze Weg zwischen den Nutzern und den Entwicklern. So kommen auch immer wieder Funktionen hinzu, die bei der Vorbereitung und auch bei der Nachbereitung einer Veranstaltung helfen. Jeder, der sich dafür interessiert, kann sich auf der Website openslides.org erkundigen, an welchen (neuen) Funktionen gearbeitet wird und man kann auch eigene Anregungen geben, die manchmal sogar sehr schnell erledigt werden. Das Programm wird beständig weiter entwickelt und Spezialisten unter den Nutzern sind dank des offenen Quellcodes sogar in der Lage, selbst Änderungen vorzunehmen und Erweiterungen zu erstellen.

 

Neue Möglichkeiten

Neben etlichen kleinen Verbesserungen und Optimierungen sind insbesondere zwei neue Möglichkeiten zu erwähnen, die in der aktuellen Version 1.6 nun zur Verfügung stehen. Wer schon einmal selbst aktiv an einer größeren Veranstaltung beteiligt war, kennt sicherlich die Problematik: Während des Ablaufs sind immer mal wieder interne Absprachen oder Abstimmungen zwischen Versammlungsleitung, Regie, Antragskommission und Wahlleitung nötig. Sitzt man nicht direkt nebeneinander, so versucht man zunächst meist per Handzeichen und hoffentlich eindeutiger Gesten den anderen klar zu machen, was man will. Gelingt das nicht, blieb bislang oft nur das Ausweichen auf andere Kommunikationsmittel wie SMS oder Dienste wie Whatsapp, Threema, myEnigma oder Ähnliches. Die neue Version von OpenSlides hat nun einen Gruppen-Chat integriert. So können Organisatoren im Kontakt bleiben, ohne auf andere Technik oder zusätzliche Programme ausweichen zu müssen.

 

Eine weitere Neuerung erlaubt es der Versammlungsleitung über einen zweiten Bildschirm die aktuelle Rednerliste im Blick zu behalten, während der Projektor zeitgleich für das Plenum den aktuellen Tagesordnungspunkt anzeigt.

 

Transparenz

Mehr Transparenz für Versammlungen – das ist die Kernidee von OpenSlides, dem webbasierten Präsentations- und Versammlungssystem für Mitgliederversammlungen. Ergebnisse von Anträgen und Wahlen können protokolliert und neben der aktuellen Tagesordnung unmittelbar für alle Teilnehmer im System verfügbar gemacht werden. Alles, was am Projektor erscheint, können die Teilnehmer simultan über ihre mobilen Geräte mitverfolgen oder aber später nachlesen und abspeichern. Aber auch vieles lässt sich auf Knopfdruck als PDF-Datei ausgeben und dann zum Beispiel per Email verschicken oder als Ausdruck weiter verwenden.

                                                                                                                                  MP


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